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Wind and Wuthering (1976)
Wind and Wuthering (1976)

Genesis / Phil´s Ausstieg

dpa-Meldung vom 29.03.1996 über den Ausstieg von Phil Collins bei Genesis

Phil Collins verlässt Genesis

Genesis zu Gast in der deutschen TV-Show ´Wetten dass´ in den 80er Jahren London/Hamburg (dpa) - Die "umsatzträchtigste Popmaschine der Welt" ist verstummt: Nach 25 Jahren, in der sie gemeinsam Musikgeschichte schrieben, haben sich Phil Collins und "Genesis" endgültig getrennt. Mit seiner am Donnerstag bekannt gewordenen Entscheidung, die nach den "Beatles" und den "Rolling Stones" erfolgreichste Popband aller Zeiten zu verlassen, überraschte der 45jährige Collins allerdings weder die Branche noch die Fans. Der Sänger hatte nach der Trennung von seiner zweiten Frau Jill (1994) und einer Reihe erfolgreicher Solo-Projekte seit längerem laut über seinen Abschied von "Genesis" nachgedacht.

Trotzdem löste die Nachricht am Freitag bei "Genesis"-Anhängern in aller Welt Enttäuschung aus. "Genesis wird nie wieder die alte Band sein", klagte ein Anrufer bei der Plattenfirma Virgin Records in London. Etwa 50 Interessenten gaben bei Virgin eine telefonische Bewerbung als neuer Leadsänger der Band ab. Nach Angaben der Plattenfirma verkaufte die Gruppe seit 1975 über 80 Millionen Alben. Damals hatte Phil Collins nach dem Ausstieg von Peter Gabriel die Rolle des Leadsängers übernommen. Der Kopf der Gruppe, der mit der Schweizerin Orianne Cevey seit 1995 in Hermance am Genfer See lebt, will neue Wege gehen. Er werde sich der Filmmusik und Jazz-Projekten widmen, kündigte Collins an.

Ohne den Ausnahmestar plant "Genesis" nun ein neues Album, das im Sommer herauskommen soll. "Veränderungen wie der Abschied von Collins bringen immer auch etwas Neues mit sich", kommentierte Band-Mitglied Tony Banks lapidar. "Das neue Album, an dem wir arbeiten, wird viel schwerer und düsterer", fügte er hinzu. Banks sagte, er verstehe die Gründe für Phil's Abgang völlig - der Sänger habe einfach zuviel gearbeitet. Collins hatte Virgin Records erklärt, daß ihm Tourneen zu anstrengend geworden seien. Die Trennung sei aber gütlich verlaufen, versicherte Band-Kollege Mike Rutherford, ebenfalls 45. "Ich wünsche ,Genesis' alles Gute für die Zukunft, wir bleiben Freunde", versicherte Collins bei Bekanntgabe seines Abschieds am Donnerstag.

Auch Virgin versuchte am Freitag die Fans zu trösten. Mit einem neuen Sänger werde "Genesis" an alte Erfolge anknüpfen: "Für die Band und ihre Fans bricht eine neue, aufregende Phase an." Schon einmal war der Gruppe nach dem Ausstieg ihres Sängers das schnelle Ende vorausgesagt worden. 1975 nahm Peter Gabriel, der "Genesis" 1967 mit Banks und Rutherford gegründet hatte, überraschend seinen Abschied. Schlagzeuger Collins, seit 1970 Mitglied der Band, empfahl sich schließlich wegen seiner ähnlichen Stimme zum Nachfolger Gabriels. Der Vollblutmusiker hatte mit drei Jahren die erste Spielzeugtrommel bekommen. Mit zwölf saß er am eigenen Schlagzeug.

War "Genesis" mit Gabriel vor allem als experimentierfreudige Band mit anspruchsvollen Texten bekannt geworden, verschrieb Collins der Gruppe klare und eingängige Pop-Arrangements. Der neue "Genesis"-Sound zahlte sich bald aus. Alben wie "Abacab", "Genesis", "Invisible Touch" oder "We can't Dance" stürmten mit Hits wie "Follow you, follow me", "Mama" oder "Tonight, Tonight, Tonight" die Charts. Daneben prägten perfekt inszenierte Welttourneen das Pop-Gütesiegel "Genesis". 1986 spielte die Band etwa in 183 Konzerten vor über fünf Millionen Menschen.

Collins brachte es zu einem Jahreseinkommen, das 1993 auf 32,6 Millionen Mark geschätzt wurde, und ein Vermögen von 320 Millionen Mark. Er selbst nannte diese Zahlen obszön und verwies auf sein vielfältiges soziales Engagement. Der kommerzielle Erfolg - 1992 sponserte VW eine Tournee mit 20 Millionen Mark - brachte "Genesis" den Vorwurf ein, geldgierig, langweilig und angepaßt zu sein. Der "Stern" nannte die Band die "umsatzträchtigste Popmaschine der Welt". Viele trauerten der Gabriel-Ära nach: "Es gilt sich abzufinden mit dem Umstand, daß Genesis sich zu einer erstklassigen Popband entwickelt hat, von der Innovationen nicht mehr zu erwarten sind", schrieb die FAZ 1987 zum Auftakt der Europatournee.

Neben Rutherford, der mit "Mike & The Mechanics" Erfolge feierte, startete Collins 1988 mit dem Album "Face Value", in dem er die Trennung von seiner ersten Frau verarbeitete, auch eine Solokarriere. Die Zahl seiner Tophits und seiner verkauften Platten steht denen von "Genesis" kaum noch nach. Zugleich klagte er zunehmend über den Tournee-Streß und dachte über das Ende von "Genesis" nach: "Momentan habe ich keine Ahnung, wie die Zukunft der Gruppe aussehen wird. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht einmal, ob es überhaupt eine Zukunft gibt", hatte er schon 1993 der "Neuen Zürcher Zeitung" anvertraut.